Trail Serra de Tramuntana auf Mallorca

Läuferherz, was willst du mehr…

Ein Erlebnisbericht von Thomas Paschy

(Bericht mit allen Fotos und ein YOUTUBE-Video.)

Liebe Lauffreunde,

am 18.04.2015 nahm ich am Trail Serra de Tramuntana auf Mallorca teil. Gerne möchte ich meine fantastischen Eindrücke mit euch teilen.

Insgesamt gibt es bei diesem Event 3 Laufstrecken:

 der Ultra Mallorca über 112 km, 4.448+ Höhenmeter, Zeitlimit 24 Stunden
 der Trail Mallorca über 67 km, 2.521+ Höhenmeter, Zeitlimit 16 Stunden
 und der Marathon Mallorca über 44 km, 1.424+ Höhenmeter, Zeitlimit 10 Stunden

Nachdem ich Mitte 2014 einen Bericht im Internet über diesen Lauf und auch das eine oder andere Video zu diesem Lauf auf YouTube angeschaut hatte, stand für mich fest: „Da musst du hin“. Der Ultra schien mir „noch“ zu heftig. Daher fiel die Entscheidung für den Trail über 67 km.
Also wurde herumgefragt, wer vielleicht auch Interesse hätte. Nic Rohmann und Manuela Fahlisch fanden diesen Lauf genauso spannend und wollten gerne mitkommen. Da der Lauf sich inzwischen allergrößter Beliebtheit erfreut und alle Startplätze in den letzten Jahren schon innerhalb kürzester Zeit vergeben waren, hatte sich der Veranstalter für 2015 entschlossen, eine Vormeldeliste zu eröffnen, aus der dann 1000 Starter gezogen werden sollten. Leider hatte nur ich das Glück, einen Startplatz zu ergattern.

So ging es zusammen mit meiner Frau bereits am 15.04.2015 auf nach Mallorca. Schließlich muss man seinem treusten Fan auch mal etwas bieten, wenn dieser einem die nötige Trainingszeit gerne zugesteht 😉 Der Rückflug sollte dann am 19.04. sein, so dass auch genügend Zeit für einen schönen Kurzurlaub blieb. Und ich muss sagen, diese Reisezeit ist für Malle echt zu empfehlen. Es ist bereits schön warm (19-24°), alles grünt und blüht und die „Touristenmassen“ sind noch fern. Im Sporthotel in Polenca gab es zwar Sonderkonditionen, aber wir zogen es vor, direkt am Startort im herrlichen Valldemossa zu nächtigen. So konnten wir zwei Tage vorher schon auf einem Teil der Strecke von Valldemossa bis Deia wandern. Weil es so schön war, wurden es sogar 18 km, welche mir bereits erschreckenderweise einen Muskelkater bescherten. Was sollte das dann nach 67 km werden? Beim Abstieg nach Deia, waren wir an einigen Punkten immer wieder froh, Steinmännchen zu sehen, die uns den Weg wiesen und an zwei Stellen konnte uns sogar nur mein GPS den Weg weisen. Stellenweise war es so steil, dass wir auf den losen Steinen wiederholt leicht ins rutschten kamen. Als wir schon weiter unten auf schmalen Singletrails unterwegs waren, kam plötzlich jemand recht schnell von hinten und wollte uns überholen. Da er an den Sträuchern kleine Markierungsbänder befestigte, fragten wir, ob hier der Trail lang ginge. Und tatsächlich, er markierte genau meinen Weg für Samstag und ich dachte: „oh oh…“. Am Samstag sollte ich erfahren, dass diese Strecke zur leichteren Übung gehören würde.

Freitag ließen wir die Seele baumeln und waren sogar im noch „kalten“ Wasser schwimmen (ok, die Ostsee wird selbst im Sommer kaum wärmer). Samstag ging es früh aus den Federn, um die Startnummer abzuholen (war zum Glück nur 200 m vom Hotel entfernt). Um 8.00 Uhr sollte dann der Start sein. Bei einigen Teilnehmern sah ich, wie auch die Ausrüstung durch die Organisatoren geprüft wurde. Ich fand toll, dass noch am Vorabend eine Mail kam, dass die Regenjacke gegen einen Windbraker getauscht werden könne (ok, spanisch muss man nicht können, aber English ist schon notwendig, denn solche Nachrichten kommen nicht in Deutsch!). Vielleicht noch ein paar Worte zum „Bio-Gedanken“ des Laufes. Alles was mit in die Natur genommen wird, ist von jedem Läufer auch wieder zurück zu bringen! So sind alle Gels und sonstige Snacks mit der Startnummer zu versehen. Wird irgendetwas unterwegs achtlos weggeworfen, kann man anhand der Nummer den Läufer ermitteln und es soll zur Disqualifikation führen. Auch ein Trinkbecher ist mitzuführen, da es an den Verpflegungsstationen keinerlei Plastikwegwerfbecher gibt. All dies kann – und ich habe auch einige Fälle gesehen – vom Ordnungspersonal geprüft werden. Ich persönlich finde diesen Gedanken super. Man läuft schließlich durch traumhaft schöne Natur. Selbst Energygels, die man unterwegs bei den Verpflegungsständen mitnahm, mussten beschriftet werden.

Pünktlich 8.00 Uhr wurde vom Garten vor dem Kloster gestartet (auf einer Höhe von 400 Metern über NN). Der erste Kilometer führte dann vorbei an den Zuschauern, die sich im kleinen Dorf doch recht zahlreich versammelt hatten. Auch meine Frau entdeckte ich nochmal, die mich nochmal
ablichtete und mir viel Glück wünschte.

In der Höhe hatten wir bei strahlendem Sonnenschein traumhafte Ausblicke auf Valldemossa und konnten auch bis Palma blicken. Läuferherz, was willst du mehr. Hier oben wurde es nun immer mehr zum Singletrail. Also war öfter Warten angesagt, damit sich das Feld lichten
konnte. Aber die Strecke war ja noch lang genug, so tat es gut Kräfte zu sparen. Oben angekommen, ging es dann auf dem Cami de s’Arxiduc, dem alten Reitweg des Erzherzogs Ludwig Salvator (gehört zum Fernwanderweg GR 221) weiter. Dieser Weg gehörte mit zu dem schönsten Abschnitten auf der
gesamten Strecke, mit absolut grandiosen Blicken über das Tramuntana-Gebirge und immer wieder bis hinunter zum Meer. Das Laufen fiel auf diesem nur aus runden Steinen bestehendem Weg natürlich verdammt schwer und man tat gut daran Obacht zu geben, wo man hintritt. Also musste ich
immer mal wieder stehen bleiben, um ein Foto zu schießen.

Hier zu laufen, ist einfach ein Traum. Von 920 m ging es recht bald wieder hinab auf 70m ü. NN. Den „schwierigen“ Weg steil bergab nach Deia kannte ich dann ja schon von unserer Wanderung. Ich konnte hier sogar mit erstaunlicher Geschwindigkeit „herunterbrettern“. Das kam mir leichter vor, als bei der Wanderung zwei Tage zuvor. Später sollte der schnelle Lauf bergab mir jedoch weniger gut bekommen 😉

In Deia gab es den ersten Verpflegungspunkt, den ich nach 2:09 Std erreichte. Wenn ich mich recht erinnerte, war das eine Zeit, mit der viele Läufer im Jahr zuvor am Ende irgendetwas um die 11 Stunden liefen. Und ich fühlte mich in diesem Moment absolut super. Aber wir waren ja erst bei km 13!

Der Weg von Deia nach Soller war weniger spektakulär und auch nicht mit zu vielen Höhenmetern gespickt, so dass man immer wieder ganz gut laufen konnte. Zum Schluss ging es auf steiniger Piste hinunter. Auch hier war ich wieder verdammt schnell unterwegs. Ich dachte gerade „du bist zwar
bergauf recht langsam, aber dafür downhill verdammt gut unterwegs“. Als ich eine Gruppe anderer Läufer überholte, rammte mein Zeh einen der unzähligen herausstehenden Steine und ich kam ins Straucheln und machte mit dem Untergrund nähere Bekanntschaft. Knie, linke Schulter und rechte
Hand aufgeschlagen, fluchte ich über meine Dummheit. Wir waren schließlich erst bei km 20 und ich hatte noch 47 vor mir. Aber der Schmerz verging. Nur dass ich ab hier bergab doch deutlich vorsichtiger lief.

In Soller gab es super Verpflegung, wie auf der ganzen Strecke. Gekochte Kartoffeln, Pasta, Reis mit Gemüse, Sandwich mit Käse, mit Wurst, mit Oliventapenade oder auch mit Nutella. Dazu gab es auch immer aufgeschnittene Orangen, Bananen und sogar Oliven. Natürlich auch Gels und und und…. Es war für jeden Geschmack etwas dabei. 23 km waren nun also geschafft. Rund ein Drittel lag hinter mir. Und 3:32 Std war immer noch eine recht gute Zeit. Aber die richtigen Anstiege kamen ja erst noch. Hinter Soller wartete der steile Anstieg (durchschnittlich 13% auf 6 km) der
Barranc de Biniaraix, eine der beeindruckendsten Felsschluchten auf der Insel. Doch dieser Anstieg hat es in sich. Ständig blieben auch meine Stöcke zwischen den Steinen hängen. Mehrmals fragte ich mich, ob der Anstieg nochmal ein Ende nehmen würde. Dazu war es inzwischen auch recht warm. Ich tat es anderen gleich und tränkte meine Mütze im kalten Wasser eines Brunnens, um den Kopf zu kühlen. Was ich in der Folge fast bei jeder Gelegenheit tat.

Dank Stephan Marschallek hatte ich mir im Vorfeld Salztabletten besorgt, von denen ich die ersten zwei einnahm, da ich inzwischen schon fast die 1,5 Liter Wasser aus meinem Trinkrucksack aufgebraucht hatte. Ich glaube hier dachte ich das erste Mal daran, dass die Zeit völlig egal ist,
Hauptsache ich komme an. Und ankommen wollte ich in jedem Falle. Ich war so geschafft, dass ich selbst das herrliche Flachstück am Stausee Cúber nur komplett walkend zurücklegte. Ich sehnte den nächsten Verpflegungspunkt herbei. Inzwischen war auch mein Wasser aufgebraucht. Bei km 35 war der nächste Verpflegungspunkt endlich erreicht. Ich nahm hier reichlich von den Orangen, Wasser, Cola, ein wenig Pasta und noch ein Nutellasandwich zu mir. Sitzend verschnaufte ich eine ganze Weile und merkte, wie ich langsam wieder zu Kräften kam. Meine Frau schrieb mir via SMS auf meine Nachricht, dass ich am Stausee Cuber sei, zurück: „Auwei, das Schlimmste kommt noch“. Zum Glück hatte ich persönlich das Profil nicht genau im Kopf. Zunächst ging es recht flach weiter und ich hatte eine junge Dame vor mir, die für mich genau der richtige Pacemaker war. Irgendwann
kamen wir ins Gespräch und stellten fest, dass wir beide aus Deutschland sind. Nur war ich der „Flachlandindianer“ ohne jede Bergerfahrung und sie als Münchnerin hatte doch einige Trainingsrunden in den wunderschönen Bergen am Tegernsee absolviert.

Doch sehr bald fehlte uns beiden die Puste, um weiter zu reden. Ab km 40 ging es steil hinauf zum Coll des Prat de Massanella, dem höchsten Punkt der Strecke (1205 m). Auch hier gab es wieder traumhafte Ausblicke. Leider war mein Handy nun hinten im Rucksack verstaut, um am Akkupack
wieder aufzuladen. Daher nachstehend ein externes Bild, um einen kleinen Eindruck zu bekommen.

Vom Coll des Prat ging es anfangs gemächlich bergab. Auf dieser Strecke erholte ich mich gut vom Aufstieg. Inzwischen hatte ich mir von der Münchnerin auch den richtigen Stockeinsatz abgeschaut. So wurde ich, als das Kloster LLuc in Sicht kam, auf der steilen Passage bergab wieder übermütig und lief hier ziemlich schnell. Doch es dauerte schier ewig, bis das Kloster dann auch erreicht war. Die Beine brannten fürchterlich und die Kräfte schwanden immer mehr. Immer wieder musste ich gehen. Verflucht wann kommt endlich dieses Kloster. Dann hörte ich Geräusche einer Straße und dachte, na endlich. Aber nein, es ging über die Straße und dann weiter bergab. Fix und fertig kam ich im Kloster LLuc an. Ich musste hier eine halbe Ewigkeit verweilen, um wieder zu Kräften zu kommen. Ich bekam teilweise Schüttelfrost. Aber ich war erst 9:16 Std unterwegs und hatte somit fast 7 Stunden Zeit, für die letzten 18 km. Dass war in jedem Falle zu schaffen. Aber ich brauchte erstmal Aufmunterung. Zum Glück ging mein Sohn in der Heimat ans Telefon und durch das Gespräch mit ihm ging es mir bald wieder besser. Zum Glück ging es ab hier fast nur noch bergab. Nur noch selten versuchte ich in den Laufschritt zu verfallen. Wenngleich ich hier hätte richtig gut laufen können. Denn hier gab es auch einige Kilometer auf Asphalt. Aber es ging einfach nicht. Und wozu auch. Zeit ist doch egal. Und ganz hinten bist du auch nicht; ging es mir immer wieder durch den Kopf. Als wir nach einem wieder sehr unangenehm zu laufendem Teilstück endlich auf einer Straße ankamen und man mir sagte, es seien nur noch ca. 8 km (entsprach auch in etwa meinem GPS), nahm ich mir vor, den Rest der Strecke nochmal laufenderweise zurück zu legen.
Doch als wir dann abermals auf Trailwege kamen, verließ mich die Lust zu laufen endgültig. Als dann das Schild „noch 5 km“ erschien, schaute ich auf die Uhr: 19:31 Uhr. Hmm, zügig laufen und ich käme doch noch unter 12 Std …. Ach egal. Auf alle Fälle käme ich noch im Hellen an. Also ging ich weiter und nahm mir nur noch vor, den letzten Kilometer durch Pollença bis in Ziel zu laufen. Allen anderen, die mit mir unterwegs waren, ging es wohl ähnlich.

Und was für ein grandioser Einlauf war das in Pollença. In den engen Gassen stauten sich auf beiden Seiten die Zuschauer, und feuerten die Läufer an. Eine Wahnsinns-Stimmung. Meine Frau hatte mir ja schon per SMS geschrieben, dass hier eine gigantische Stimmung wäre. Viele Läufer nahmen auf den letzten Kilometern ihre wartenden Kinder bei der Hand. Einfach Gänsehaupt pur nach all der Anstrengung.

Im Ziel auf dem Placa Major wurde für jeden einzelnen Läufer – egal ob erster oder letzter – das Finisherband neu aufgespannt. Was für ein Gefühl nach harten 12:12 Std durch dieses Band zu laufen. Ein unvergessliches Erlebnis. Gracias!

Ich kann euch allen, diesen Lauf nur empfehlen. Ich weiß, ich werde bestimmt einmal die 112 km laufen. Nic Rohmann und Stephan Marschallek haben ja schon nachgefragt.

Thomas Paschy

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